Exkursion am 27.10.2006

Die Exkursion vermittelte einen Einstieg in den ersten Abschnitt des Projektes Erinnerungsräume. Den Teilnehmer/innen der Kunst- und Geschichtswerkstätten an der FH Trier und dem Bürgerhaus Trier Nord wurde dadurch Gelegenheit geboten, gemeinsam einen Teil der noch aufzufindenden Relikte des Westwalls kennenzulernen. Dabei galt es, sich einen Eindruck sowohl vom originalen Bestand wie von den Spuren späterer Nutzungen zu verschaffen.
Darüber hinaus kam es im Laufe der Exkursion zu einer ersten Begegnung zwischen den Projektteilnehmer/innen aus Trier und den Kooperationspartnern des Projektes, Studierenden und Professor/innen der École Supérieure d' Art de Metz und der École Superieure d’Art d’Epinal.
Die verschiedenen Stationen der ganztägigen Exkursion wurden entsprechend ihrer Signifikanz für die verschiedenen Aspekte und Fragestellungen des Projektes ausgewählt. Zu diesen Aspekten, die als Anregung und Orientierungsmarken für die Projektarbeit dienen können, zählen vor allem:

  • Die Authentizität des Ortes und das Gedächtnis der Dinge: Welche Erfahrungen und Assoziationen verbinden sich heute mit den Resten des Westwalls? Geben die überkommenen Bauten der Befestigungsanlage noch eine Anschauung von der historischen Situation?
  • Architektur und Natur/Landschaft: Wie verändern die militärischen Anlagen die Landschaft? Welchen Einfluß hat die Natur andererseits seit dem Ende des 2. Weltkrieges auf die Hinterlassenschaften des Westwalls genommen?
  • Umgang mit einem schwierigen Erbe: Wie wird das Thema Westwall, seine Bauten, aber auch die Situation der am Bau beteiligten oder in ihren Lebensumständen von ihm beeinflussten Menschen (ehemalige Zwangsarbeiter, Bewohner der Region) in musealen Einrichtungen und Gedenkstätten präsentiert?

1. B-Werk Besseringen (Merzig)
Der erste Streckenabschnitt der Exkursion führte nach Merzig-Besseringen im Saarland. Hier befindet sich mit dem B-Werk Besseringen das einzige vollständig erhaltene Regelbauwerk des Westwalls. Die Besichtigung der Außenanlage und der Innenräume ließ erkennen, welche Funktionen der Bunker als militärische Architektur erfüllen sollte und welche Ausstattungen und Einrichtungen (darunter auch Tarneinrichtungen) den Erbauern notwendig erschienen, um die Funktionstüchtigkeit der Architektur zu gewährleisten. Aus den Erläuterungen eines Vertreters der mit Schutz beauftragten Institution erhielten die Teilnehmer/innen außerdem Hinweise darauf, welche Motivationen bei der Erhaltung und touristischen Erschließung von Militärbauten eine Rolle spielen.


2. Sog. Orscholz-Riegel
Vom Besseringen aus ging die Fahrt zu einem weiteren signifikanten Element der Befestigungslinie. Im Gebiet des sog. Orscholz-Riegel sind bis heute Geländehindernisse zu sehen. In der Kombination von Betonhöckerreihen, Mauern und Gräben sollten die Anlagen das Vorrücken von feindlichen Panzerverbänden aufhalten. An diesen Teilen der Westwallbefestigung, die als an das Gelände angepasste Bauten konzipiert waren, ließ sich das Verhältnis von Architektur und Landschaft/Natur – zur Entstehungszeit und heute – besonders sinnfällig nachvollziehen.


3. Panzerwerk Katzenkopf (Irrel)
Erste Station des Nachmittages war das „Panzerwerk Katzenkopf“ in Irrel/Rheinland-Pfalz. In dem teilgesprengten Bunker befindet sich das älteste Westwallmuseum. Bei der Führung durch das Museum richtete sich das Interesse dementsprechend vor allem auf die museale Präsentation der Westwallgeschichte: Wie wird der Originalbestand genutzt, um Informationen weiterzugeben und inhaltliche Zusammenhänge darzustellen? Welche didaktischen Mittel und Materialien werden eingesetzt, um Besuchern den Stellenwert von Kriegsbauten und vor allem die Bedeutung, die Architekturen des Krieges heute noch haben (können), anschaulich zu vermitteln?


4. Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Vorletzter Haltepunkt der Exkursion war die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Die Entscheidung für den Besuch der Gedenkstätte Hinzert hatte zwei wichtige Gründe. Zum einen steht Hinzert für ein Kapitel der Westwallgeschichte, die in den Dokumentationen zum Thema bestenfalls als Marginalie behandelt wird: den Einsatz von KZ-Häftlingen und Deportierten für die Bauarbeiten an der Befestigungslinie. Zum anderen repräsentiert die Anlage mit Ehrenfriedhof, historischem Museum im Dokumentations- und Begegnungshaus und mehreren Gedenkstellen im Umfeld der Gedenkstätte die umfangreichste der auf der Exkursion besuchten Einrichtungen. Hinzert bot den Teilnehmer/innen der Fahrt die Möglichkeit, verschiedene Formen der Erinnerung an den Westwall kennenzulernen.
In Hinzert fand das eingangs erwähnte Zusammentreffen der Trierer Gruppen mit dem Projektpartnern aus Frankreich statt. Führungen in deutscher und französischer Sprache durch das Dokumentationszentrum und die Außenbereiche von Hinzert standen am Ende dieser Exkursionsstation.


5. Hochbunker Trier Nord (Karl-Grünstraße)
Der Hochbunker Trier Nord ist einer der zahlreichen Hochbunker, die in vielen großen Städten Deutschlands im zweiten Weltkrieg dem zivilen Schutz der Bevölkerung dienten. In Trier wurden zur Errichtung dieser Schutzbauten auch Zwangsarbeiter aus dem SS Sonderlager/ KZ – Hinzert herangezogen. Bemerkenswert an dieser Architektur des Bunkers ist die Einsetzung des Mittels der Tarnung, der Camouflage. So suggeriert diese Bunkerarchitektur auf den ersten Blick, dass es sich um ein historisches Wohngebäude handelt. Heute werden die Räume dieses Bunkers von Musikgruppen als Proberäume genutzt.


Den Schlußpunkt des Tages setzte anschließend ein gemeinsames Abendessen aller Exkursionsteilnehmer/innen im Bürgerhaus Trier Nord.


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