FELD / gras
Projektion und Installation im Außenbereich des ehemaligen SS-Sonderlagers KZ Hinzert b. Pölert:
15. + 16. November 2007
zu: ORTSGEDÄCHTNIS II: CACHÉ
im Rahmen von Luxemburg und die Großregion – Kulturhauptstadt 2007
Die Installation und Projektion an dem Standort der Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers KZ Hinzert bezieht sich auf einen der verborgenen Orte innerhalb des Gesamtkonzepts Ortsgedächtnis.
Verborgen ist der Ort seit Bestehen der Gedenkstätte und der Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen nicht mehr. Aber aufgrund der Tatsache, dass das Lager der KZ-Häftlinge heute restlos nicht mehr existiert - das große Fenster der Gedenkstätte erinnert noch daran – macht diesen Ort zu einem besonders bedrückenden Resultat des Verschwindens-Lassens: Das Lager wurde unmittelbar nach dem Krieg dem Boden gleich gemacht und zu einem Feld, das heute beackert wird. Hier wird, als sei nichts geschehen, Getreide angebaut und dieses als Lebensmittel weiterverarbeitet.
Auf den ersten Blick handelt unsere Arbeit von dem „Lichtweg“, der Weg des Lichts der Projektoren über das Feld hinweg in die offene Landschaft. Die mehrteilige Projektion ist auf den Außenbereich hin konzipiert. Sie wird Teil der Landschaft und „arbeitet“ mit ihr als still, als STANDBILD.
Sie wird so installiert, dass der Betrachter diese stills von der Strasse aus, die ehemals durch das KZ Hinzert führte, sehen kann und sich auch dort entlang einer sich durch die Installation von Licht neu konstituierenden Landschaft bewegen kann. Im Fall unserer Arbeit ist es oftmals der Betrachter, der die Projektionen durch die Veränderung seines Standortes „bewegt“.
Seit Petrarca erstmals durch die Betrachtung selbst und durch sein Wort bewusst machte, dass Landschaft ein Spiegel der Seele ist, sieht man besonders diesen Ort der Gewalt und des Grauens unter seinen furchtbaren Vorzeichen und in seiner Besetzung. Er gehört in das Erinnerungspotential des Menschen, in das kollektive Gedächtnis in beidem, d.h. in dem, was die Dokumente der Gedenkstätte zeigen und was heute zu sehen ist. Von den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers – von den inhaftierten, hierhin verschleppten Menschen und Ihrer tagtäglichen Angst, Ihrem Hunger und der Kälte – können wir uns das Bild ihres Leids vor Augen stellen. Das leistet vor allen Dingen die Gedenkstätte selbst. Wir sehen vor einem inneren Auge dann, wenn sich die Bilder des Erinnerns mit der heutigen Landschaft verbinden. Könnte man sagen, dass sich die Qual und das Leid auch im Anblick der Landschaft manifestiert haben und sie zu etwas anderem werden l ässt?
Das erfordert u. A. n. eine Kunst, die ohne Gegenständlichkeit auskommt.
Projektionen an diesem Standort arbeiten mit der Kreisform, der Scheibe und dem puren Licht, der Lichtscheibe. Der Kreis ist ein Symbol des Lebens, das immer auch einen KreisLauf darstellt. Es ist die geometrische Form für den Zyklus, die ununterbrochene Verbindung vom Anfang und vom Ende, vom Ende und vom Anfang.
3 Lichtscheiben werden über das Feld hinweg in die Landschaft projiziert – temporär installiert für jeweils 2 Nächte. Sie werden aus der Landschaft ein Segment schneiden und ein Innenleben fokussieren aus der Vegetation der Baumgruppen am Rande des Feldes. Äste und Zweige und ihre Zwischenräume werden sichtbar: die Architektur, die Körperlichkeit der unbelaubten Bäume.
Gras. In der Betrachtung scheint das Licht das Gras zu berühren. Das Gras wird in dem Lichtweg als
organische Masse und Bewegung sichtbar. So wird auch die „Allgegenwart“ des Grases und seine landwirtschaftliche Verwertung heute an diesem Ort zum Thema. Die sarkastischen Worte des SS-Mannes aus dem KZ Hinzert bezeugen, dass es das Gras war, das von den Häftlingen im Lager gegen den großen Hunger gegessen wurde: „Jetzt fressen sie den Schafen schon das Gras weg.“ (Dokumentations- und Gedenkstätte des ehemailgen SS-Sonderlagers KZ Hinzert).
Bedingung dieser Arbeit ist die Dunkelheit, die Nacht – auch für den Betrachter.
Veldhues / Schumacher, Nusbaum im Januar 2007
|