Das Projekt

Im Mittelpunkt des einjährigen Projektes steht die Auseinandersetzung mit den militärischen Räumen in der Großregion und der Stadt Trier. In künstlerischen Werkstätten an der Fachhochschule Trier, an den Kunsthochschulen Metz, Épinal und Liège sowie im Stadtteil Trier Nord  werden Entwürfe und Arbeiten erstellt, die sich mit der historisch militärischen Geschichte Triers und der Großregion im Bild der Bunker-, Wehr und Befestigungsanlagen des 20. Jahrhunderts im Sinne einer Erinnerungsarbeit auseinandersetzen.

Dem Projekt der „Erinnerungsräume“ liegt ein Konzept zugrunde, das mit dem Begriff der Erinnerung arbeitet, um Anregungen bereit zu stellen, den gegenwärtigen und den zukünftigen Umgang mit diesem kriegerisch, militärischen Erbe anzugehen und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Der Begriff der „Erinnerungsräume“ wurde gewählt, um darauf hinzuweisen, dass sich der Raum in dem wir leben durch politisches, soziales Handeln sowie durch kulturelle Praxis auszeichnet, und dass er aus den daraus resultierenden Beziehungen gebildet wird.

Der Begriff von Raum bezieht sich hier nicht nur auf konkrete geographische oder architektonische Orte, sondern auch auf den sozialen und politischen Raum von bspw. Familie, Stadtteil, Stadt, Region oder auch Nation. Das Verständnis, das wir von diesen Räumen haben, hat sich im Verlauf geschichtlicher Prozesse herausgebildet: In den Räumen der Erinnerung haben sich diese geschichtlichen Prozesse gewissermaßen als Spuren eingeschrieben und überlagern sich –  diesen verschiedenen und vielfältigen Spuren geht das Projekt nach.

Wenn wir hier von Erinnerung sprechen, dann wissen wir, dass wir eine bestimmte Perspektive einnehmen, wenn wir uns individuell oder auch kollektiv erinnern. Dieser Blick auf die Vergangenheit wird zum Beispiel bestimmt durch unsere Herkunft, durch gesellschaftliche und politische Realität sowie durch unsere kulturelle Prägung. Erinnerung heißt also ein Bild oder auch Bilder, d.h. Vorstellungen von der Geschichte entwerfen; diese Vorstellungen benutzen wir, um uns in der Gegenwart zu verorten und wir brauchen diese Vorstellungen, um unsere Zukunft zu entwerfen.

Das Projekt der Erinnerungsräume verfolgt die Ziele:

  • der wissenschaftlichen Aufarbeitung der gemeinsamen, von Kriegen und totalitären Territorialansprüchen geprägten Geschichte,
  • der Sensibilisierung für geschichtliche und kulturelle Prozesse und dem daraus hervorgegangenen kulturellen Erbe,
  • der Würdigung und des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus in der Großregion,
  • der Erinnerungsarbeit mit Blick auf gemeinsame und zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten in den Räumen der Großregion,
  • des grenzüberschreitenden europäischen Dialogs und der Zusammenarbeit,
  • der nachhaltigen Zusammenführung von Kultur- und Kunstschaffenden sowie Institutionen kultureller Bildung und gesellschaftspolitischer Begegnung in der Großregion,
  • der nachhaltigen Vernetzung zwischen den (Kunst-)Hochschulen der Grenzregion (Metz, Epinal, Liège und Trier) in Hinsicht auf einen europäischen Masterstudiengang.

Projektverlauf:
1. Projektphase:
Das Projekt startete im WS 06/07 und wurde im Oktober 2006 mit einem deutsch-französisch-belgischen Kolloquium eröffnet. Die Begegnung mit den Architekturen des Krieges in der Großregion (Befestigungsanlagen des Westwalls in Orscholz, Irrel, Besseringen, Trier und dem Westwall-Straflager und SS Sonderlager Hinzert), die Sensibilisierung für geschichtliche und kulturelle Prozesse sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung kennzeichneten die erste Projektphase.

2. Projektphase:
In der zweiten Phase steht der interdisziplinäre-gestalterische Ansatz im Vordergrund. Bereits zum Ende des Wintersemesters im Januar 2007 haben Fachhochschulstudierende,  der Fachrichtungen Kommunikationsdesign und Architektur erste künstlerische Entwürfe vorgestellt.
Im März 2007 zeigten die Kunsthochschulen Metz und Epinal ihre Arbeiten in einer öffentlichen Ausstellung in Metz.
Das SoSe 07 fokussiert auf den Hochbunker in Trier-Nord in seinem zeitlichen, räumlichen und sozialen Kontext. Mit dem Bürgerhaus Trier-Nord und den Bewohnern des Stadtteils werden Workshops organisiert, die das Kreativ-Gestaltende mit dem Sozialen verbinden.
Folgende Projektansätze werden ausgearbeitet:
Soziale Studien zur Rolle des Bunkers im Stadtteil Trier-Nord (Geschichte/Gegenwart/Perspektive), Portraits von verschiedenen sozialen Gruppen: Gewerbetreibende im Stadtteil (v.a. Schrotthändler), Flüchtlinge, Obdachlose, Jugendliche, Kinder, Musikgruppen, Senioren, Migranten …
Entwürfe zur Gestalt der Oberfläche des Bunkers
Entwürfe zur Zukunft des Bunkers (Nutzung, Gestalt)

Die Projektarbeiten und Entwürfe aus den verschiedenen Projektphasen werden vom 21. Oktober bis 3. November 2007 in einer gemeinsamen Gesamtausstellung in der ehemaligen französischen Gendarmerie in Trier präsentiert und diskutiert.

Im Rahmen des Projektes Erinnerungsräume zeigen die Künstler Katharina Veldhues und Gottfried Schumacher am 16. November 2007 eine Lichtprojektion am Standort im Außenbereich der Dokumentations- und Gedenkstätte des ehemaligen Westwall Straflagers und SS-Sonderlagers KZ Hinzert.

Der gesamte Projektverlauf wird in einer zweisprachigen Dokumentation festgehalten.

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